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Was bedeutet Agilität eigentlich konkret? Ein Interview mit Maximilian Rembser

Agil Arbeiten: in vielen Organisationen die Antwort auf eine zunehmend dynamische und komplexe Arbeitswelt. Doch was bedeutet Agilität eigentlich konkret und wie funktioniert sie in der Praxis?

Darüber sprechen wir mit Maximilian Rembser (Betriebswirt, Wirtschaftspsychologe, Agiler Coach, Transformation Consultant, Geschäftsführer der INFO Trainings- und Beratungs- GmbH ) dem wir fünf knackige Fragen hierzu stellen.

Im Interview spricht er darüber, wo agile Arbeitsformen ursprünglich herkommen, warum sie in vielen Organisationen an Bedeutung gewinnen, wann Agilität sinnvoll eingesetzt werden kann und wie klassische, agile und hybride Ansätze sowie Werte, Prinzipien und Methoden agiler Zusammenarbeit praxisnah im Arbeitsalltag genutzt werden können.

Hallo Max,…

 … warum brauchen wir heute Agilität – und wo kommt das eigentlich her?“

„Der Begriff Agilität ist stark mit der heutigen VUCA-Welt verbunden – also einer Arbeitswelt, die von Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit geprägt ist. Organisationen stehen zunehmend vor der Herausforderung, auf Veränderungen schneller reagieren zu müssen als früher. Klassische, stark planungsorientierte Vorgehensweisen (z.B. Wasserfallmodelle) stoßen hier manchmal an ihre Grenzen.

Ursprünglich kommt Agilität aus der Softwareentwicklung und dem IT-Projektmanagement. Dort stellte man fest, dass Projekte in dynamischen Umfeldern kaum vollständig planbar sind. Daraus entstanden agile Vorgehensweisen, die stärker auf Iterationen, Feedback und kontinuierliche Anpassung setzen. Wichtig ist dabei: Agilität ersetzt das klassische Projektmanagement nicht komplett, sondern ergänzt es um agiles Projektmanagement sowie hybride Ansätze, wenn der Kontext sinnvoll und passend ist.“

„Wann sind agile Arbeitsformen hilfreich – und wann eher weniger?“

„Ob agile Arbeitsformen sinnvoll sind, hängt stark vom Arbeitskontext ab. Eine hilfreiche Orientierung bietet hier die Stacey-Matrix, die zwischen einfachen, komplizierten und komplexen Problemstellungen unterscheidet.

Bei einfachen oder klar planbaren Aufgaben funktionieren klassische, strukturierte Vorgehensweisen meist sehr gut. Hier sind Abläufe klar definiert und Ergebnisse gut vorhersehbar.

Bei komplexen Problemstellungen, bei denen weder der Lösungsweg noch das Ergebnis vollständig vorhersehbar sind, können agile Ansätze ihre Stärke ausspielen. Durch kurze Lernzyklen, Feedback und Anpassung können Teams schrittweise Lösungen entwickeln.

Das bedeutet: Agilität ist kein Allheilmittel. Entscheidend ist, die passende Arbeitsform für den jeweiligen Kontext zu wählen.“

„Was braucht es grundsätzlich, damit Agilität funktionieren kann?“

„Agilität ist nicht nur eine Sammlung von „Methoden“ (z.B. Rollen, Ereignisse und Artefakte), sondern vor allem eine Haltung und eine bestimmte Art der Zusammenarbeit. Grundlage dafür sind die Werte und Prinzipien der agilen Arbeit, wie sie beispielsweise im agilen Manifest beschrieben werden.

Dazu gehören unter anderem Transparenz, Vertrauen, Eigenverantwortung, kontinuierliches Lernen und eine offene Feedbackkultur. Methoden allein reichen nicht aus, wenn diese Werte nicht gelebt werden oder nicht zur bestehenden Unternehmenskultur passen.

Damit Agilität funktionieren kann, müssen Organisationen also bereit sein, Zusammenarbeit, Entscheidungsprozesse und Verantwortlichkeiten zu überdenken sowie „das Leben“ agiler Werte und Prinzipien zu fördern.“

„Wie können Organisationen agilere Arbeitsformen in der Praxis nutzen – und welche Methoden sind besonders hilfreich?“

„In der Praxis zeigt sich häufig, dass hybride Ansätze besonders gut funktionieren. Das bedeutet, klassische und agile Vorgehensweisen sinnvoll zu kombinieren, statt sich ausschließlich auf eine Methode festzulegen.

Für die Zusammenarbeit in Teams hat sich der Einsatz einiger agiler Elemente besonders bewährt. Dazu gehören beispielsweise klar definierte Arbeitsabschnitte (Iterationen), in denen Teams fokussiert an bestimmten Zielen arbeiten.

Hilfreich sind auch pull-orientierte Aufgabenstrukturen wie Kanban, bei denen Arbeit transparent visualisiert und von Teams aktiv „gezogen“ wird. Kurze tägliche Abstimmungen – sogenannte Dailys – dienen dem schnellen Informationsaustausch im Team. Wichtig ist hier, dass es keine Diskussionsrunden werden, Diskussionen werden bilateral geklärt.

Besonders empfehlenswert sind außerdem regelmäßige Reviews mit Stakeholdern, um Ergebnisse frühzeitig zu spiegeln und anzupassen.

Ein zentraler Bestandteil agiler Arbeit sind schließlich Retrospektiven, in denen Teams regelmäßig reflektieren, wie ihre Zusammenarbeit funktioniert und was sie verbessern können. Diese Retrospektiven fallen in der Praxis meist hinten über, was aus meiner Sicht einer der größten Fehler bei agilen Arbeitsstrukturen darstellt.“

„Was braucht es, damit eine Organisation insgesamt agiler werden kann?“

„Damit agile Arbeitsformen nachhaltig funktionieren, müssen verschiedene Ebenen innerhalb einer Organisation zusammenpassen. Hier helfen als Orientierung die agilen Dimensionen: Strategie, Organisation, Methode, Führung, Team und Individuum.

Auf der strategischen Ebene braucht es eine klare, nachvollziehbare und möglichst partizipativ entwickelte Ausrichtung. In der Organisation selbst helfen gute Vernetzung, eher flache Hierarchien und eine Kultur des Lernens.

Auch die methodische Ebene spielt eine Rolle: Digitale Tools sollten selbstverständlich genutzt werden können und iterative Arbeitsweisen sollten erprobt sein. Besonders wichtig ist die Führung. Führungskräfte unterstützen Agilität vor allem, indem sie Rahmenbedingungen schaffen und eher als Servant Leader agieren – also Teams befähigen, statt ausschließlich zu steuern.

Auf Teamebene sind Offenheit, Feedbackfähigkeit und ein gemeinsames Verständnis von Zielen entscheidend. Und letztlich kommt es auch auf das Individuum an: Selbstreflexion, Kritikfähigkeit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, sind wichtige Voraussetzungen.

Agilität entsteht also nicht durch einzelne Methoden – sondern durch das Zusammenspiel von Methodennutzung und einer gelebten agilen Kultur.“

„Vielen Dank für die spannenden Einblicke, Max. Die Perspektiven auf agile Arbeitsformen, ihre Voraussetzungen und den sinnvollen Einsatz in der Praxis geben einen hilfreichen Überblick für alle, die sich mit moderner Zusammenarbeit und Organisationsentwicklung beschäftigen. Wir danken dir für das Gespräch.“

Hier: Anmeldung zu Max kostenfreiem Impuls zum Thema Agiles Arbeiten